Institut für den Situationsansatz

Kriterien (2018)

  1. Ist die Wortwahl wertschätzend?
  2. Werden alle Personen vielfältig und nicht stereotyp dargestellt (in Bezug auf ihre Kleidung, körperlichen Merkmale, Frisuren, Mimik)? Werden alle Kinder in ihrer Individualität mit unterschiedlichen Neigungen und Fähigkeiten dargestellt oder geschieht dies einseitig?
  3. Wer macht was? Übernimmt beispielsweise auch ein Kind mit Behinderung eine aktive Rolle (z. B. bei einer Problemlösung), trifft es selbstbestimmt Entscheidungen und übernimmt es auch einmal die Führung?
  4. Muss ein Kind etwas Besonderes leisten, um von den anderen akzeptiert zu werden, z. B. wenn es nicht der erwarteten Geschlechterrolle entspricht?
  5. Liefert das Buch authentische Einblicke in die täglichen Routinen und Aufgaben der dargestellten Personen, z. B. einer Person mit Behinderung?
  6. Haben Menschen Namen, die lächerlich klingen, wie beispielsweise „Kleine Wolke“?
  7. Sind die Illustrationen klischeehaft und stereotyp oder spiegeln sie die vielfältigen Traditionen und Symbole der im Buch dargestellten Menschen wieder?
  8. Werden historische oder geografische Gegebenheiten korrekt wiedergegeben? Oder entsteht z. B. der Eindruck, dass die Weißen Zivilisation und Fortschritt gebracht haben? Werden Begriffe wie „Massaker“, „Eroberung“, „Zivilisation“, „Gebräuche“, „Aberglaube“, „unwissend“, „einfach“, „fortschrittlich“, „Dialekt“ (statt Sprache) in einer Weise verwendet, die Errungenschaften nicht-westlicher Kulturen herabwürdigt, um die westliche Lebensweise zu erhöhen?
  9. Werden im Buch Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen gezeigt, ohne sie zu besondern?
  10. Werden Menschen jeglicher sozialen Schicht gezeigt? Gibt es Menschen, die beispielsweise arbeitslos sind oder in schwierigen finanziellen Verhältnissen leben?
  11. Sind Indigene/ PoC nur dann erfolgreich, wenn sie Werte ihrer Herkunftskultur aufgeben und sich den Werten der westlichen Gesellschaft anpassen? Werden sie als Mitglieder der modernen Gesellschaft gezeigt?
  12. Werden Familien in ihrer tatsächlichen Vielfalt gezeigt? Gibt es beispielsweise EinElternfamilien, Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern?
  13. Wird allen Personen, insbesondere indigenen, das Mensch-Sein zugestanden? Spielen Kinder beispielsweise „Indianer“, als ob „Indianer“ eine Rolle ist wie Polizist oder Gangster? Werden PoC als Objekte dargestellt, etwa als „Platzhalter“ im Alphabet oder bei Zahlen?
  14. Sind weiße Autoritätspersonen, z. B. Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, dazu in der Lage, die Probleme von PoC-Kindern zu lösen, an denen PoC-Autoritätspersonen gescheitert sind? Gibt es überhaupt PoC, die Autoritätspersonen sind?
  15. Werden Menschen als rechtlos und ausgebeutet dargestellt, beispielsweise Frauen oder PoC? Oder werden sie als wichtige und mächtige Mitglieder ihrer Gesellschaft gezeigt? Wenn Diskriminierung thematisiert wird, nehmen die Diskriminierten eine aktive Rolle bei der Überwindung des gesellschaftlichen Ungleichgewichts ein?
  16. Gibt es irgendetwas in dem Buch, das Angehörige nicht-dominanter Gruppen verärgern oder verletzen könnte? Kann sich jedes Kind das Buch anschauen, sich darin wiederfinden und sich wohl fühlen bei dem, was es sieht? Gibt es positive Rollenvorbilder?
  17. Welchen Hintergrund haben Autor*in und Illustrator*in? Stärkt deren biographischer Hintergrund oder deren Perspektive die Aussage der Geschichte?

EPIZ Berlin

Kriterien und Beispiele (2015)

Gute Bücher für Globales Lernen sind Bücher, die dazu einladen, den eigenen Horizont zu erweitern, weltweite Zusammenhänge wahrzunehmen und verschiedene Lebenswelten kennen zulernen.
Kriterien für die Auswahl solcher Bücher sind: Die Bücher sollen Menschen und ihre Lebenswelten wertschätzend darstellen. Hier gibt es unzählige Beispiele! Wichtig ist, dass weder Texte noch Bilder noch die Aussagen der Geschichten herabwürdigende und diskriminierende Inhalte transportieren. Uns ist bewusst, dass dies schwierig einzuschätzen sein kann. Hier hilft nur: Sprechen Sie mit anderen, wenn Sie sich nicht sicher sind. Versuchen Sie, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Und: Nehmen Sie es ernst, wenn Menschen oder Gruppen sagen, dass bestimmte Begriffe oder Abbildungen diskriminierend sind. Niemand weiß besser, was mich verletzt, als ich selbst!

Die Bücher sollen Menschen und ihre Lebenswelten differenziert darstellen. 

Zum Beispiel stellt ein Buch verschiedene Religionen vor und zeigt dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen und innerhalb der religiösen Gruppen.
Im Gegensatz dazu werden in negativen Büchern, alle Menschen, die einer Gruppe zugeordnet werden (etwa weil sie im gleichen Land leben, das gleiche Geschlecht oder die gleiche Religion haben), klischeehaft und vereinheitlichend dargestellt werden.

Die Bücher sollen zu den Zielen des Globalen Lernens beitragen indem sie zum Beispiel …
Klischees und stereotype Bilder irritieren und ihnen so entgegenwirken.

Zum Beispiel wird in einem Buch die Geschichte eines Mädchens aus Nigeria erzählt, das in der Großstadt lebt und ein Handy hat, anstatt die Darstellungen, die das Leben in afrikanischen Ländern ausschließlich als Landleben in Armut zeigen.

…eine Gleichberechtigung und Bestärkung verschiedener Identitäten fördern.

Zum Beispiel sollen sie Kinder, die verschiedene Geschichten und Erfahrungen aus ihren Familien mitbringen, dazu einladen, sich mit Figuren aus den Büchern zu identifizieren - ein Buch handelt von einem Mädchen, das mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet ist und in dessen Alltag mehrere Sprachen präsent sind. Einseitig und negativ für eine Identifikation sind Bücher, in denen in allen Familien deutsch gesprochen wird und kein Migrationsbezug vorhanden ist. Bereichernd ist, wenn in einem Buch Schwarze Kinder vorkommen, ohne dass ihre Hautfarbe thematisiert wird. Anstatt sie nur dann zu zeigen, wenn es um Rassismus oder Migration geht.

… dazu inspirieren, kritisch über Ungerechtigkeit und Diskriminierung nachzudenken und dagegen aktiv zu werden.
Ein Buch stellt die Geschichte von Rosa Parks vor, die als Schwarze Frau in den USA gegen die sogenannte Rassentrennung gekämpft hat, im Gegensatz zu Büchern, in denen Schwarze Menschen die Hilfe von Weißen brauchen, um sich zu behaupten und anerkannt zu werden.