Patricia Thoma: Mulgheta – ein Tag im Leben eines blinden Fußballspielers

(ISBN: 9783946593416, 2017, ab 4 Jahre)

Mulgheta ist nicht nur Fußballspieler, sondern auch Fitnesstrainer und Masseur. Vor allem aber Lebenskünstler. Wir begleiten Mulgheta durch einen für ihn ganz gewöhnlichen Tag. Wir ertasten mit ihm die Braille-Schrift, hören das Blindenleitsystem der Ampel, schmecken die saftigen Tomaten und erschnüffeln den muffelnden Mülleimer. Die bildende Künstlerin und Bilderbuchillustratorin Patricia Thoma »eröffnet« uns mit ihrem Bilderbuch einen neuen erfrischenden Einblick in unsere scheinbar so bekannte Umgebung. (Quelle Verlag)


In diesem sehr schönen Buch wird der Alltag eines blinden Fußballspielers erzählt, der tatsächlich in Süddeutschland lebt. Schon in den ersten Zeilen werden die Leser*innen mit spannenden Fragen in die Geschichte hineingezogen: „Hast Du schon mal an einem Fußball gerochen? Riecht er nach Plastik, nach Leder oder nach frischem Rasen? Fühlt er sich glatt oder rau an? Wie schmeckt er? Was, du hast noch nie probiert? Vielleicht nach Kaugummi? Und wie klingt er?“ Die Geschichte wird aus der Perspektive eines jungen Mädchens erzählt, dessen Mutter sich mit einem elektrischen Rollstuhl fortbewegt und sie dabei mit ihren Rollschuhen durch den Park zieht. So erzählt das junge Mädchen, wie Mulgheta in Begleitung seines Trainers durch den Park joggt und ihn dabei am Arm berührt. Der Trainer kann zwar den Weg sehen, aber dafür kann Mulgheta alles genau riechen und mit den Ohren sehen. Das junge Mädchen beschreibt, wie Mulgheta die Straße überquert, wie er Fußball spielt, wie er zur Arbeit fährt, wie er sich am Bahnhof orientieren kann und wie er im Aufzug dank der Informationen in Brailleschrift wissen kann, in welchen Stock er fährt. Im Aufzug treffen sich die beiden und das Mädchen traut sich endlich ihn zu fragen, ob er eine Lieblingsfarbe hat. Mulgheta erzählt dem Mädchen, wie er mit seinen feinfühligen Händen als Sporttrainer und Masseur arbeitet, wie er sich Kleidung kauft, kocht, mit Freunden Fußball hört und die Stille der Nacht genießt. Beendet wird das Buch mit der Frage, ob Mulgheta das Licht ausschaltet, bevor er zu Bett geht. In den Anmerkungen am Schluss des Buches wird nicht nur diese Frage für Kinder gut nachvollziehbar beantwortet. Es wird auch verständlich erklärt, wie Blindenfußball gespielt wird, wie Ampeln für Menschen, die nicht sehen können, funktionieren, wie Taststöcke und Bodenplatten zur Orientierung dienen. Zudem wird das Alphabet der Brailleschrift aufgezeichnet.

Der Autorin gelingt es mit diesem Buch sehr einfach und entspannt, den Kindern den Alltag einer Person, die nicht sehen kann, darzustellen. Dabei dient das Thema Fußball nicht nur als guter Einstieg, der bei den Kindern die Neugier auf das Buch erwecken kann. Denn Mulghetas Interesse für Fußball stellt auch eine Gemeinsamkeit mit vielen Leser*innen her. Das Buch beantwortet viele Fragen bezüglich des Alltags einer blinden Person, wie sie aus der Perspektive von Kindern gestellt werden. Die Herausforderungen des Alltags werden nicht als Probleme dargestellt, sondern als selbstverständliche Leistungen. Genauso selbstverständlich ist es, dass alle Hauptfiguren einen dunklen Hautton haben und viele Figuren im Buch Gehhilfen benutzen oder sich mit Rollstühlen fortbewegen. (Quelle Kinderwelten)