Nancy J. Della: Das Wort, das Bauchschmerzen macht

(ISBN: 9783942885638, 2014, ab 7 Jahre)

Eigentlich mag Lukas die Vorlesezeit in der Schule, doch dieses Mal macht es ihm Bauchschmerzen, als Frau Hoehlmann eine Geschichte vorliest. Es ist ein ganz bestimmtes Wort, das ihm so wehtut und außer seiner Freundin Amira scheint das niemand zu verstehen. Seine Familie, eine Schwarze deutsche Familie, versteht ihn allerdings sehr gut. Sie kommen Lukas zu Hilfe und zuletzt setzen sich viele zusammen für ein Miteinander in der Schule ein, das niemandem Bauchschmerzen bereitet. Ein Kinderbuch über diskriminierende Sprache und Wege gemeinsam damit umzugehen.


Die Vorlesezeit ist Lukas‘ Lieblingszeit in der Schule. Doch dann liest seine Lehrerin Frau Hoehlmann eine Geschichte vor, die ihm Bauchschmerzen macht. Genauer gesagt ist es dieses eine Wort, das ihm wehtut, aber außer seiner Freundin Amira scheint das niemand zu verstehen. Doch dann kommt ihm seine Familie zur Hilfe …

„Das Wort, das Bauchschmerzen macht“ ist eine Geschichte, die (nicht nur) Kindern zeigt, wie verletzend rassistische und diskriminierende Sprache ist. Aber auch, wie sich Eltern, Lehrer_innen und nicht zuletzt die Kinder selbst aktiv für ein respektvolles Miteinander einsetzen. Besonders ist auch die Position der diskriminierenden Autoritätsperson, was ein häufiges Setting ist, was selten thematisiert wird. Empfehlung: sehr gut, mit Begleitung lesen

Quelle: Intersektionale Kinderbuchliste von der Initiative intersektionale Pädagogik i-PÄD, 2016, www.i-paed-berlin.de


Eigentlich mag Lukas die Vorlesezeit in der Schule, doch dieses Mal macht ihm das Zuhören Bauchschmerzen. Es ist ein ganz bestimmtes Wort, das ihm so wehtut, und außer seiner Freundin Amira scheint das niemand in der Klasse zu verstehen. Seine Schwarze deutsche Familie versteht ihn allerdings sehr gut und unterstützt ihn. Zuletzt setzen sich viele zusammen für ein Miteinander in der Schule ein, das niemandem Bauchschmerzen bereitet. Ein Kinderbuch über diskriminierende Sprache und Wege gemeinsam damit umzugehen.

Quelle: Super Bücher Empfehlungsliste vom EPIZ Berlin (2015)


Lukas Schultag beginnt vielversprechend: Die Lehrerin liest ihnen in der Schulbücherei eine Geschichte von einem Mädchen mit roten Zöpfen und zwei verschiedenen Strümpfen vor, das viel Unsinn macht. Ihre Mutter war tot „und ihr Papa war … und da war es: das Wort. Das Wort, das wir zu Hause niemals benutzen, weil es einen wütend und traurig zugleich macht.”

Einfühlsam wird aus der Perspektive von Lukas, einem Schwarzen Kind, beschrieben, wie verletzt er ist, als in seiner Klasse dieses Buch mit dem „N-Wort“ vorgelesen wird. Einzig seine Freundin Amira kann sein Verletztsein nachempfinden. Von seiner Lehrerin hingegen erfährt Lukas keine Unterstützung. Als er sich weigert, mit Jan zu spielen, weil dieser zuvor Lukas‘ Vater mit dem hässlichen Wort beschimpfte, wird er dafür sogar bestraft und ermahnt „nicht so empfindlich zu sein“. Zu Hause braucht Lukas lange, um über mit seiner Familie über das Erlebte zu sprechen. Seine älteren Geschwister und seine Eltern geben ihm Rückhalt. Ihre Einschätzung ist eindeutig: „Das ist ein klarer Fall von Rassismus”. Gemeinsam überlegen sie, was sie dagegen unternehmen können. Sie entwickeln Gegenstrategien auf verschiedenen Ebenen. So sprechen Lukas Eltern Jans Mama an, gemeinsam gehen sie zur Schulleitung. Die Eltern schließlich erzählen auf dem Elternabend von unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen als Schwarze, Muslime oder als lesbische Eltern. Die Kinder wiederum schreiben Bauchwehwörter auf kleine Zettel und packen sie in einer Kiste, die sie dick mit Klebeband zukleben und vergraben und sortieren Bücher und Lieder aus, die Kindern nicht guttun.

Das Buch ist ein gelungener Beitrag zur Debatte im Zusammenhang mit dem „N-Wort“ in Kinderbüchern, die 2013 mit großem medialem Echo geführt wurde. Es macht verständlich, wie verletzend Wörter für Kinder sein können und wie normsetzend Bücher sind. So wird deutlich, warum die Reflexion über diskriminierende Begriffe so wichtig ist. Das Buch nimmt Diskriminierungserfahrungen von Kindern ernst und stärkt sie in ihrer Auseinandersetzung damit, etwa indem es heißt: „Das Wichtigste ist, zu wissen, dass du das Recht hast, wütend und traurig zu sein, und dass es keinem zusteht, dir zu sagen, wie du dich zu fühlen hast, wenn sowas passiert.“ Mit diesem Satz wird eine Regel angeboten, die einer Klasse oder Kindergruppe als Leitlinie für den Umgang miteinander dienen kann. Kinder werden zudem mit diesem Buch darin unterstützt, gegen Ungerechtigkeiten aktiv zu werden und sich bei Diskriminierung einzumischen. Sie erhalten auch konkrete Tipps für die Suche nach Bündnispartnern und Handlungsmöglichkeiten. (Quelle Kinderwelten)